Maus im Bienenstock

Mäusenest im Bienenstock

Wenn die Temperaturen im neuen Jahr ansteigen, beginnen die Bienen den Stock zu reinigen und Brut aufzuziehen. Das ist auch die Zeit, in welcher wir Imker einen ersten Blick in die Völker werfen können, um zu prüfen ob sie noch genügend Futter haben und ob sie gesund sind.

Ende Februar war es bei uns aussergewöhnlich warm, weswegen wir die Bienen früher als sonst „auswintern“ konnten. Bereits am Flugloch war ersichtlich, dass die Völker mit der Brutpflege begonnen hatten – sie trugen an ihren Beinen Pollen ein. In dieser Jahreszeit gibt es erst wenige Frühblüher, welche umso wichtiger sind. Hasel und Weiden zum Beispiel, aber auch Blumen wie Krokusse.

Bei der Frühjahreskontrolle haben wir vorwiegend bereits starke Völker angetroffen. Bei einigen mussten wir Futterwaben entfernen, damit genügend Platz für die Brutaufzucht bleibt. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch alte Waben entfernt und später eingeschmolzen.

In einem Volk haben wir ein Mäusenest angetroffen und Berge von toten Bienen. Das Flugloch war zu wenig verschlossen über den Winter, was eine Spitzmaus ausgenutzt hat. Die Mäuse fressen sowohl die Brut wie auch die Futterreserven und Mittelteile der Bienen. Warum sie nicht gestochen werden ist uns ein Rätsel. Das Volk hat glücklicherweise überlebt, die Königin war im oberen Stockwerk und konnte trotz Maus im Bienenstock ein beachtliches Brutnest aufbauen.

Zahlen und Fakten

Nachfolgend ein paar eindrückliche Zahlen rund um die Honigbienen

2.5 mal um die Welt

Für 500 g Honig braucht es 50 000 Flüge. Angenommen, die Blumen sind 1 km entfernt (Bienen fliegen bis 3km), sind das 100 000 km (oder 2,5 x um die Erde) für ein Glas Honig.

Ein Teelöffel Honig

50mg Nektar bringt eine Biene pro Flug. Das ergibt 10mg Honig. Für einen Teelöffel Honig (10g) sind 1000 Flüge notwendig.

Genf im Bienenstock

Ein gesundes Volk erbrütet über die gesamte Bienen-saison 200 000 Bienen. Also die gesamte Einwohnerzahl der Stadt Genf.

2000 Eier

Die Königin legt in der Hochsaison 1500 bis 2000 Eier täglich: ihr eigenes Körpergewicht.

2 Kerzen pro Jahr

Für eine grosse Bienenwachskerze von 500g braucht es 725 000 Wachsschuppen, welche die jungen Bienen aus Drüsen schwitzen. Dazu verbrauchen sie 3 kg Honig. Pro Jahr kann ein gesamtes Bienenvolk nur 2-3 solche Kerzen produzieren (1-1,5kg Wachs)

Kurzes Leben

Je mehr eine Biene fliegt, desto schneller stirbt sie. Die Sommerbiene lebt ca. 30 Tage, die Winterbiene ca. 7 Monate.

Quellen

http://www.apis-mellifera-mellifera.de

https://www.anthroposophie.ch/de/gesellschaft/publikationen/fonds-goetheanum/bienen/sich-von-den-impulsen-des-bienenvolkes-leiten-lasse/fakten.html

Wintervorbereitungen

Im August und September nach der Honigernte werden die Bienenvölker auf den Winter vorbereitet. Weil wir ihnen den Honig genommen haben, müssen wir sie mit Zucker auffüttern. Die Bienen verarbeiten den Zuckersirup und lagern ihn wiederum als Wintervorrat in den Waben ab. Ungefähr 16-20kg benötig ein Volk über den Winter.

Ebenfalls unverzichtbar ist in dieser Jahreszeit die Varroabehandlung. Die Varroamilbe wurde im letzten Jahrhundert mit der asiatischen Biene in die Schweiz importiert und belastet die Bienenvölker enorm. Die Milben vermehren sich über das Jahr in den Brutzellen der Bienen und saugen sich an diesen fest. Ohne Gegenmassnahme der Imker gehen die meisten Bienenvölker dadurch ein. Die diesjährig erste Varroabehandlung mit Ameisensäure haben wir nach der ersten Auffütterung im August durchgeführt, die zweite Behandlung steht dann Ende September an.

Die Völker ziehen nun Winterbienen auf, welche über den Winter bis im nächsten Frühjahr im Stock bleiben.

Sommerhonig 2020

Das schöne Wetter hat unsere Bienenvölker sehr stark werden lassen. Weil auch eine üppige Waldtracht vorhanden war, konnten die Bienen reichlich Sommerhonig eintragen und wir drei mal schleudern.

Sommerhonig ist ein dunkler Honig, welchen die Bienen aus dem Blütennektar von Linden, Brombeeren, Himbeeren, etc. und Honigtau von Nadelbäumen, Ahorn und weiteren Bäumen sammeln und verarbeiten. Sommerhonig enthält mehr Fruktose, was ihn flüssiger bleiben und besser im Wasser lösen lässt.

Die Wassergehaltsmessung im Sommerhonig hat 15,2% ergeben, was ein sehr guter Wert ist. Für den Verkauf als Qualitätshonig sind max 18.5% erlaubt. Ein hoher Wassergehalt im Honig verringert die Haltbarkeit, weil der Honig zu gären beginnen kann.